Zuerst Lean, dann Industrie 4.0

Zuerst Lean, dann Industrie 4.0

Das Schlagwort im Produktionsumfeld ist aktuell der Begriff «Industrie 4.0» und alles was sich vermutlich dahinter verbirgt. Wissen Sie was er wirklich bedeutet und was hinter einer Smart Factory steckt? Erfolgreich umgesetzte Leuchtturmprojekte gibt es wenige. Was jedoch aus unserer Sicht am wichtigsten erscheint ist die Tatsache, dass vor einem Smart Factory Projekt das Thema Lean Management in der Organisation verankert sein muss. Was bringt es «schlechte» Prozesse zu digitalisieren und damit die Prozessstabiliät einem zusätzlich erschwerenden Parameter der IT auszusetzen.

Industrie 4.0 und die Digitalisierung des Werkplatzes Schweiz stehen zunehmend in den Schlagzeilen der Medien. Den Unternehmen fehlt jedoch der grosse Überblick und stehen oftmals wie die Kuh vorm Scheunentor da. Aus diesem Grund organisierte die Industrie 2025 die gleichnamige Fachtagung, um aufzuzeigen was denn «Smart Factories» sind und was mit «Smart Solutions» und «Smart Products» eigentlich bezweckt werden soll – damit auch in der Schweiz die 4. industrielle Revolution Einzug hält.

«Wer weiss was Industrie 4.0 ist», fragte der Tagungsleiter Guido Santner von Electrosuisse in den grossen Saal der Fachhochschule Nordwestschweiz in Brugg/Windisch. Vielleicht lag es an der Morgenmüdigkeit, vielleicht wollten die Teilnehmer der Fachtagung Industrie 2025 sich nicht zu sehr aus dem Fenster lehnen oder sie wussten die Antwort wirklich nicht. Die Zahl derer nämlich, die auf die Frage ihren Arm hoben, liess sich an einer Hand abzählen. Doch darum waren die rund 330 Besucher an dieser Tagung – sie wollen das grosse Ganze der Industrie 4.0 verstehen.

Mangelware Leuchtturmprojekt

Die Vortragsreihe startete an diesem Morgen mit Andreas Jenke. Er präsentierte die Montagelinie von Bosch Rexroth. Als Anbieter und Anwender ihrer digitalisierten Fertigungslösung haben sich die Deutschen weltweit einen Namen gemacht. Fast möchte man meinen es gebe keine anderen Leuchtturmprojekte, die die Möglichkeiten in der industriellen Produktion von Industrie 4.0 aufzeigen können. Gibt es schon, aber nicht so wie es die Stuttgarter machen und auch nicht so fortschrittlich. «Am Anfang stand die Idee die Fertigung mehrerer Teile in einer Multiproduktlinie, statt ein Produkt in einer Monolinie, herstellen zu können», sagte Jenke. Das Problem von althergebrachten Produktionslinien: Die Herstellung eines einzelnen Produktes in einer Montagelinie beinhaltet Risiken. Floppt das Produkt am Markt, sind die Investitionen in die Fertigung verloren. Die Vorteile von Multiproduktlinien auf der mehrere Fabrikate hergestellt werden können, liegen daher auf der Hand: floppt ein Produkt kann die Produktionslinie dennoch weiter genutzt werden. Aber auch durch seine hohe Agilität punktet die Lösung von Bosch Rexroth. Die Umbau- bzw. Rüstzeiten sinken massive, was ergo die Produktionskosten senkt: «Das Ziel der Multiproduktlinie ist: sie muss wandelbar, intelligent und flexibel sein», bestimmt Jenke die Rahmenbedingungen. Für die Fertigung von sechs verschiedenen Ventil-Grundtypen mit über 200 Varianten benötigt Bosch nur noch eine Montagelinie. Bei der Vernetzung von Mensch und Maschine ist die einfache Bedienerführung laut Jenke massgeblich. Dass die Montagelinie um den Mensch gedacht ist, konnten die Tagungsteilnehmer an der Form erkennen. Sie ähnelt einem U. «Dies begünstigt kurze Laufwege und ist somit effizienter als die Fertigungstrasse auf einer Gerade», begründet Jenke die Form.

Bei Interesse lesen Sie gerne diesen Artikel von der Fachtagung Industrie 2025.